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Lesezeit: 5 Minuten
Mit zunehmendem Alter nimmt naturgemäß die Reaktionsfähigkeit des Menschen ab, was zu einem erhöhten Sturzrisiko führt. Weitere physiologische Altersveränderungen erhöhen die Anfälligkeit. So haben 65-Jährige schon 25 Prozent weniger Muskelmasse als 25-Jährige. Das Sichtfeld ist eingeschränkt und auch das Hörvermögen kann deutlich vermindert sein. Kommen außerdem noch Erkrankungen oder Behinderungen hinzu, kann mitunter jede Eigenaktivität, wie das Ein- und Aussteigen aus dem Bett oder der Gang zur Toilette zur Gefahr werden. Die Ursachen für Stürze sind vielfältig. Der Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege unterscheidet dabei personen-, medikamenten- und umgebungsbezogene Risikofaktoren.
Dies können sein
Immer zu beachten ist die sturzfördernde Wirkung bestimmter Medikamenten-Stoffklassen (Neuroleptika, trizyklische Antidepressiva, Sedativa und Tranquilizer, Hypnotika, Muskelrelaxantien, Betablocker, Diuretika, u.a.).
Liegen Krankheitsbilder vor, die mit gravierenden Funktionseinbußen und -beeinträchtigungen einhergehen, wie z.B. Morbus Parkinson und Inkontinenz, so nimmt man grundsätzlich eine erhöhte Sturzgefahr an. Das gleiche gilt für oder Erkrankungen, die zu kurzzeitiger Ohnmacht führen können, wie Epilepsie, Diabetes mellitus oder Herzerkrankungen.
Akut internistische Erkrankungen wie Pneumonien und Harnwegsinfekte bei geriatrischen Patient*innen können als Sturzrisiken ebenso eine Rolle spielen wie Dehydration (Austrocknung), Anämie und Elektrolytstörungen. Funktionseinbußen bei den folgenden Erkrankungen führen häufig zu erhöhtem Risiko: Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Schlaganfall, Polyneuropathien, Arthritis, Krebserkrankungen, chronische Erkrankungen oder ein schlechter Allgemein-und Ernährungszustand. Aber auch die Verwendung von Hilfsmitteln, unpassendes oder ungewohntes Schuhwerk und Gefahren in der Umgebung (Stolperfallen, schlechte Beleuchtung, Glatteis, etc.) können ursächlich sein.
Entsprechend dem Expertenstandard Sturzprophylaxe ist im Rahmen des pflegerischen Assessments eine Identifikation des konkreten Risikos für einen Sturz verpflichtend und muss aus der Dokumentation ersichtlich sein. Die erfolgte Risikoidentifikation muss zu Konsequenzen hinsichtlich pflegerischer Beratung und Maßnahmenplanung führen. Besonders zu beachten ist, dass ein erstmaliger Sturz ein Hinweis auf eine abklärungsbedürftige Erkrankung sein kann!
Der Expertenstandard sieht eine Einteilung der Sturzfolgen in vier Klassen nach Morse vor. Sie finden in der rechten Spalte, die nach dem Expertenstandard angegebenen Durchschnittsverteilungen vor.
Wenn man einmal nüchtern die bekannten Statistiken analysiert, dann müsste ein*e zu Pflegende*r über 20 Mal stürzen, bis er sich eine Fraktur zuzieht.
Die Auswertung einer Sturzstatistik sollte nicht nur die Anzahl von Stürzen in den Blick nehmen, sondern sollte neben den Fragen nach den Sturzzeiten, den Sturzorten usw. und die Sturzfolgen bewerten. Ein deutlich erhöhtes Frakturrisiko liegt beispielsweise vor, wenn eine Osteoporose zu den Diagnosen zählt. Ebenso haben Patient*innen, die blutverdünnende Medikamente wie Marcumar einnehmen müssen, ein sehr hohes Risiko für schwere Sturz-Folgeschäden.
Nach Einführung des Expertenstandards wurde sehr schnell deutlich, dass nicht eine geringe Anzahl der Stürze das alleinige Qualitätsmerkmal darstellt. Im Gegenteil, eine höhere Anzahl von Stürzen kann geradezu ein Ausdruck guter Pflegequalität sein: Es wird weniger fixiert und fremdbestimmt! Menschen werden mobilisiert, und Bewegung gehört zu einer guten Lebensqualität. Allerdings sollte die Quote von Sturzfolgen der Kategorien 3 und 4 möglichst gering sein.
Die gefürchtetste wie häufigste Sturzfolge gerade bei alten Menschen ist mit über 100.000 Fällen pro Jahr der Oberschenkelhalsbruch. Menschen, die einmal gestürzt und gangunsicher sind, ändern die Lebensweise, wagen nicht mehr, ihre vertraute Umgebung zu verlassen und leiten damit eine soziale Isolation und weiteren Muskelabbau ein. 25% der Gestürzten zeigen Symptome eines solchen Post-Fall-Syndroms, welches häufig korreliert mit zunehmender Gangunsicherheit, erhöhtem Sturzrisiko, weiterer Verschlechterung der Knochenstruktur und Depression. Die Betroffenen geraten hier leicht in einen Teufelskreis.
„Ein Sturz ist ein Ereignis, bei dem der Betroffene unbeabsichtigt auf dem Boden oder einer anderen tieferen Ebene aufkommt.“
So lautet die Definition des Expertenstandards Sturzprophylaxe. Für eine Einrichtung mit 80 Pflegeplätzen ist von einer Sturzanzahl von ca. 200 Stürzen im Jahr auszugehen. In den Pflegeheimen geht man von einer Sturzquote von etwa sieben Prozent aus. Die Quote errechnet sich folgendermaßen: Anzahl der Stürze / (geteilt durch) Belegungstage * (mal) 1000 Eine Abweichung oberhalb sieben Prozent würde Handlungsbedarf signalisieren.
Schaut man sich genauer an, wo Bewohner*innen in Pflegeheimen stürzen, dann fällt auf, dass sie in den allermeisten Fällen im eigenen Zimmer oder dem eigenen Bad stürzen. Sehr viel seltener stürzen sie auf Fluren oder im Wohn- und Essbereich. Das legt den Schluss nahe, dass dann weniger Stürze passieren, wenn die Bewohner*innen sich im direkten Aufsichtsbereich oder in der Zusicht von Pflegenden befinden.
Oft entwickeln pflegebedürftige Menschen erst deswegen eine Osteoporose, weil sie nicht mehr regelmäßig und ausreichend ans Tageslicht kommen. Daher sind Spaziergänge im Freien eine sehr gute Maßnahme, die Knochensubstanz möglichst stabil zu halten, mithin Frakturprävention. Neben entsprechender Calcium- und eiweißreicher Ernährung und bekannten sturzprophylaktischen Maßnahmen ist vor allem zu schauen, wie Sturzfolgeschäden, zum Beispiel durch den Einsatz von Helmen, Ellbogen- und/oder Knieschützern oder Trochanterschutzhosen, minimiert werden können. Der alte Mensch sollte seinen zunehmenden Hilfebedarf möglichst zeitnah und unkompliziert zum Ausdruck bringen können, damit passgenaue Interventionen folgen können.
Sturzprävention ist eine multiprofessionelle Aufgabe, bei der professionelle Pflege die entscheidende Rolle als Expert*innen, Berater*innen oder als Vermittler*innen einnimmt. Durch den Einsatz von Hilfsmitteln, die Beachtung grundlegender Prinzipien und gezielte Trainings kann die Häufigkeit und Schwere der Folgen von Stürzen nachweislich verringert werden. Nur zehn Prozent der Stürze sind extrinsisch bedingt. Hier greifen insbesondere Maßnahmen der Umfeld- oder Umgebungsgestaltung, der Wohnraumanpassung, des barrierefreien Zugangs und des gezielten Hilfsmitteleinsatzes zum Beispiel mit Rollatoren oder angepassten Rollstühlen.
Zehn Prozent der Stürze beruhen auf Synkopen bzw. Ohnmachtsanfällen oder Schwindel. Ist die Ursache für Stürze bekannt, müssen Mediziner und Pflege insbesondere hinsichtlich Arzneimittelgabe und Krankenbeobachtung gut zusammenarbeiten.
Gerade die Abhängigkeit von Hilfe, sei es im Hinblick auf die Mobilität, sei es im Hinblick auf das entsprechend eingesetzte Hilfsmittel, erhöht die Anzahl gefahrengeneigter Situationen. Regelmäßiges, geplantes und individuell abgestimmtes Toilettentraining stellt eine gute Sturzprophylaxe dar und verhindert langfristig, dass zu voreiligen Fixierungsmaßnahmen gegriffen wird.
Zwar muss bei bekanntem Sturzrisiko alles unternommen werden, um das Risiko zu verringern. Aber wie können Stürze verhindert werden? Auf keinen Fall durch Überbehütung oder Bewegungsvermeidung. Nur sitzen oder liegen, um die Sturzgefahr zu verhindern, bewirkt genau das Gegenteil. Beeinträchtigung der Kognition und Stimmung (Demenz, Depression) können die Folge sein. Jegliche Form der Bewegungseinschränkung sollte unbedingt vermieden werden. Geht sie einher mit aktiven Fixierungsmaßnahmen, bedarf sie zudem der richterlichen Genehmigung.
Folgende Prinzipien und Programme haben sich bewährt:
Fazit: Sturzereignisse nehmen mit zunehmendem Alter zu, sind aber nicht gänzlich zu vermeiden. Der Schwerpunkt pflegerischer Intervention sollte darin bestehen, Mobilität zu fördern und Sturzfolgeschäden zu minimieren.
Informieren Sie sich auch zum Expertenstandard Mobilität.
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