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Von | 2. Februar 2024

Seit Juni 2023 gibt es einen Expertenstandard zur Erhaltung und Förderung der Hautintegrität in der Pflege. Passend dazu hat auch Relias einen neuen E-Learning-Kurs entwickelt – „Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Hautintegrität“.

 

Hautintegrität – ein wichtiges Thema in der Pflege

Der Expertenstandard wurde entwickelt, weil die Haut als größtes Organ des Menschen wichtige Aufgaben hat und vielen Risiken ausgesetzt ist. Denken Sie z. B. an schädigende Reinigungsmittel, Sonnenstrahlen, Hitze oder Kälte.

Auf diesem Bild sehen Sie wie sich eine Person an der Haut kratzt.

Der Expertenstandard

Das Ziel – professionelle Reinigung und Pflege der Haut

Die Reinigung und Pflege der Haut gehören zu den täglichen pflegerischen Handlungen. Pflegefachpersonen tragen die fachliche Verantwortung für die ‚Hautintegrität‘ der von ihnen versorgten Menschen. Das bedeutet, sie sorgen für eine intakte Hautstruktur und fördern die Funktionsfähigkeit der Haut.

Wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass die Hautintegrität durch passende Pflegemaßnahmen gefördert werden kann. So können häufige Hautveränderungen, wie Entzündungen der Haut im Intimbereich bei Inkontinenz, vermieden werden.

Im Expertenstandard geht es somit vor allem um das vorbeugende Handeln, die Prävention. Das pflegerische Handeln wird dabei nicht neu erfunden. Vielmehr werden Erkenntnisse aus Praxis und Forschung zusammengetragen, für Fachpersonen zugänglich gemacht und Schlussfolgerungen für den Pflegeprozess aufgezeigt.

 

Die Adressaten

Der Expertenstandard richtet sich an Pflegefachpersonen in ambulanten Settings, in der stationären Langzeitpflege, in Krankenhäusern oder anderen Einrichtungen, in denen Menschen jedes Alters mit einem Risiko oder Problemen der Haut professionelle Pflege erhalten. Pflegefachpersonen steuern und koordinieren den Pflegeprozess.

Vor allem im ambulanten Pflegebereich und in Pflegeeinrichtungen übernehmen häufig Pflegehelfende Aufgaben der Hautpflege, die an sie delegiert werden. Sie sollten dabei von Pflegefachpersonen fachlich begleitet und unterstützt werden, damit sie …

  • Auffälligkeiten der Haut frühzeitig erkennen,
  • Ihre Beobachtungen beschreiben und weiterleiten können und
  • geplante Maßnahmen fachgerecht und konsequent durchführen.

Der Expertenstandard liefert Pflegefachpersonen Expertise zum Informieren, Schulen und Beraten von Menschen mit hautbezogenen Risiken und Problemen und ihren Angehörigen. Diese Kompetenzen benötigen sie auch, um Personen anderer Berufsgruppen pflegefachlich zu unterstützen.

 

Im Fokus

Auf diesem Bild sehen Sie einen interaktiven Ausschnitt aus dem E-Learning-Kurs zum Expertenstandard Hautintegrität.

 

Der Bereich relevanter Pflegethemen zur Haut ist ebenso groß wie das Organ selbst. Im Expertenstandard liegt der Fokus darum auf den Bereichen, auf die beruflich pflegende Personen besonderen Einfluss haben und von denen viele Menschen mit Unterstützungsbedarf profitieren.

So konzentriert er sich auf Hautpflege zur Vorbeugung von …

  • Entzündungen der Haut durch längeren Kontakt mit Stuhl oder Urin – konkret die Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD) und die Windeldermatitis (WD) bei Säuglingen und Kleinkindern,
  • Entzündungen in Hautfalten bei Reibung von Haut auf Haut in Verbindung mit Feuchtigkeit – der sogenannten Intertrigo und
  • Hauteinrissen bei besonders empfindlicher Haut – auch Skin Tears

Der Expertenstandard ist anwendbar, solange die Haut noch nicht geschädigt ist. Thematisiert wird jedoch auch die Hautpflege bei …

  • leichten Formen von kontaktbedingten Entzündungen der Haut, wie IAD, WD und Intertrigo und
  • die Behandlung von trockener Haut – auch Xerosis cutis Sie tritt besonders bei älteren Menschen im Bereich der Unterschenkel auf, kann zu Juckreiz führen und sich in schweren entzünden.
    (vgl. ICD-11: ED54)

Auf diesem interaktiven Ausschnitt aus dem E-Learning-Kurs zum Expertenstandard zur Erhaltung und Förderung der Hautintegrität sehen Sie die Darstellung von drei verschiedenen Hautproblemen.

Ebenen im Expertenstandard zur Erhaltung und Förderung der Hautintegrität – der Pflegeprozess

Im Expertenstandard sind 5 Standardebenen aufgeführt. Sie orientieren sich an den Schritten des Pflegeprozesses. Jede Ebene kommt zu einem Ergebnis, auf das Pflegefachpersonen mit entsprechenden Pflegehandlungen hinarbeiten und welches sie dokumentieren:

  1. eine aktuelle, systematische Einschätzung der individuellen Risiken und Probleme der Haut

Um dies zu erreichen, führen Pflegefachpersonen …

  • zu Beginn des pflegerischen Auftrages eine erste Einschätzung durch. Sie stellen fest, ob eine Person ein erhöhtes Risiko für eine Schädigung der Haut hat.
  • eine vertiefte Einschätzung und eventuell eine Hautinspektion furch, wenn im ersten Schritt Risiken oder Probleme identifiziert worden sind.

(vgl. DNQP 2023: 21-25)

  1. ein Maßnahmenplan zur Hautpflege

Der Maßnahmenplan muss die Kompetenzen und Ressourcen der betroffenen Person berücksichtigen. Sie soll Hautpflegemaßnahmen annehmen und nach ihren Möglichkeiten selbständig durchführen können.

Ein Maßnahmenplan kann z.B. Angaben zu den vereinbarten Hautmitteln oder Beratungs- und Schulungsmaßnahmen enthalten.

Alle an der Pflege beteiligten Personen müssen den Maßnahmenplan kennen.

(vgl. DNQP 2023: 28-29)

  1. Selbstmanagement Kompetenzen

Pflegefachpersonen informieren, beraten und schulen, damit betroffene Personen und gegebenenfalls deren Angehörige an der Umsetzung der Maßnahmen zur Hautpflege mitwirken können. (vgl. DNQP 2023: 31-33)

  1. die erfolgte Durchführung der geplanten Maßnahmen zur Hautpflege

Neben der allgemeinen Hautreinigung und Hautpflege bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen führen Pflegefachpersonen präventive Maßnahmen bei einem Hautrisiko oder behandelnde Maßnahmen bei beginnenden Hautproblemen durch. Dabei stimmen sie sich, wenn möglich, mit der betroffenen Person ab. (vgl. DNQP 2023: 34-40)

  1. die Erhaltung und Förderung der Hautintegrität

Pflegefachpersonen beurteilen die geplanten Maßnahmen …

  • an einem bereits im Maßnahmenplan festgelegten Zeitpunkt.
  • bei bestimmten Anlässen, wie z.B. einer Veränderung des Gesundheitszustandes oder der Verlegung in ein anderes Pflegesetting.

(vgl. DNQP 2023: 40-41)

Der Mensch im Mittelpunkt

Auf diesem Bild sehen Sie einen Ausschnitt aus dem E-Learning-Kurs zum Expertenstandard zur Erhaltung und Förderung der Hautintegrität.

 

Der Mensch, der Unterstützung benötigt und Risiken und Probleme mit seiner Haut hat, steht im Mittelpunkt des Expertenstandards und muss im Mittelpunkt aller Pflegehandlungen stehen. So orientieren sich Pflegefachpersonen bei der Maßnahmenplanung an den Bedürfnissen, Wünschen und Vorlieben der Menschen mit Hilfebedarf und handeln Interventionen, wann immer möglich, mit ihnen aus.

Gerade bei dem sensiblen und intimen Organ der Haut ist eine wertschätzende Herangehensweise gefragt. Der Expertenstandard empfiehlt darum besonders bei der ersten und vertieften Einschätzung der Haut „… das Prinzip des ‚Listen, look, then touch‘ im Sinne von erst zuhören, dann hinschauen und erst dann berühren.“ (DNQP 2023, 20)

Auch bei der Durchführung der Hautpflege gilt es, das Selbstbestimmungsrecht eines Menschen und das Recht auf Hilfe zur Mithilfe zu wahren. Wenn Pflegende Kompetenzen im Informieren, Beraten und Schulen erlangen, können sie betroffene Personen und Angehörige besser einbeziehen und eine kontinuierliche Hautpflege über z.B. eine Entlassung hinaus sichern.

 

Der Relias-Kurs

Die E-Learning-Kurse von Relias sind praxisnah, interaktiv und von Fachpersonen geschrieben, die selbst Menschen mit Hautproblemen gepflegt und betreut haben. So können Lernende sich anhand von Fallbeispielen mit den Inhalten des Expertenstandards zur Erhaltung und Förderung der Hautintegrität vertraut machen. Sie lernen Menschen kennen, die sie eventuell auch bei Ihrer Arbeit betreuen könnten. So z. B. Frau Otis, die von Pflegefachperson Kevin Kupfer neu auf einer Station aufgenommen wird.

Frau Otis gehört mit ihrer Adipositas einer Risikogruppe für Schädigungen und Erkrankungen der Haut an. Doch ist ihre Haut in Gefahr?

Schauen Sie doch einmal kurz in den Kurs hinein …

Auf diesem Bild sehen Sie einen ausschnitt aus dem E-Learning-Kurs zum Expertenstandard Hautintegrität.Auf diesem Bild sehen Sie einen ausschnitt aus dem E-Learning-Kurs zum Expertenstandard Hautintegrität.

 

Im Expertenstandard, wie auch in unserem Kurs, finden Pflegefachpersonen wissenschaftlich begründetes Wissen zu den oft kontrovers diskutierten Themen Hautreinigung und Hautpflege.

Wüssten Sie z. B. die Antwort auf die Frage, ob Sie bei einer Inkontinenz-assozierten Dermatitis Zinkpaste auf die Haut auftragen müssen?

Pflegefachperson Ronja Kahn arbeitet in der ambulanten Pflege und führt, gemeinsam mit Kevin Kupfer, die Lernenden durch den Kurs. Auf der Grundlage des Expertenstandards beantwortet sie die Frage so:

Auf diesem Bild sehen Sie eine Frau, eine Sprechblase und eine Creme.

 


Quellen

BfArM – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (2022): ICD-11 in Deutsch – Entwurfsfassung, ICD-11 für Mortalitäts- und Morbiditätsstatistiken (MMS). [online, zuletzt abgerufen am 24.01.2024)

DNQP – Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (2023): Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Hautintegrität in der Pflege, Sonderdruck einschließlich Kommentierung und Literaturstudie, DNQP (Hrsg.). [online, zuletzt abgerufen am 24.01.2024)

Liane Worm

arbeitete nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester über 15 Jahre in der Neurologie, der Psychosomatik sowie als Stationsleitung in der Pflege von Kindern mit körperlichen und kognitiven Beeinträchtigungen. Sie bildete sich in der anthroposophisch orientierten Krankenpflege weiter, die einen Schwerpunkt ihrer pflegerischen Tätigkeit ausmacht. Als Advocacy Manager und Family Coordinator in Großbritannien betreute Frau Worm von einer Behinderung betroffene Kinder und Erwachsene. Zusätzlich engagierte sie sich in der Jugendarbeit und als College Counsellor. Im Rahmen ihres BA-Studiums in Integrative Counselling an der University of Greenwich in London begleitete Frau Worm Menschen, die ihr Zuhause verloren hatten. Frau Worm war 6 Jahre am Aufbau und im Team einer psychosomatischen Tagesklinik beteiligt, bevor sie zum Relias-Team kam, das sie seither als Fachautorin verstärkt.

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