Von | 10. September 2021

 

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Triggerwarnung

In diesem Blogartikel geht es um Suizidalität. Dabei wird auch anhand von Beispielen beschrieben, wie es zu einem Suizid kommen kann und was es im Umgang mit einer suizidalen Person zu beachten gilt. Bei manchen Menschen können diese Themen negative Reaktionen auslösen. Bitte seien Sie achtsam, wenn das bei Ihnen der Fall ist.

Tabuthema Suizid und Suizidprävention 

Entscheiden Sie, ob es sich bei den folgenden Aussagen um einen Mythos oder Fakt handelt:

  1. „Wer einmal ernsthaft über Suizid nachgedacht hat, wird es sein Leben lang tun.“
  2. „Suizidgedanken sollten nicht direkt angesprochen werden. Über Suizid zu reden, könnte Betroffene dazu bringen, sich umzubringen.“
  3. „Suizide geschehen ohne Vorzeichen.“

Konnten Sie die Aussagen eindeutig zuordnen? Die Auflösung finden Sie am Ende dieses Blogartikels.


Pro Jahr sterben in Deutschland laut der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention ungefähr 10.000 Menschen an einem Suizid. Im Vergleich zur Summe der Verkehrstoten ist diese Zahl ungefähr dreimal so hoch.

Trotz dieses großen Missverhältnisses wurde das Thema Suizid und Suizidalität lange tabuisiert und stigmatisiert – bis heute. Über Suizidalität im Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis wird selten offen gesprochen. Dies trägt zur Entstehung von Vorurteilen rund um das Thema Suizidalität bei, die häufig unreflektiert weitergegeben werden. Seit einiger Zeit findet das Thema größere Aufmerksamkeit, so dass es zu einer ernsthafteren Auseinandersetzung und einer Widerlegung dieser Mythen kommen kann.

Vor allem durch die Eigeninitiative von Nichtregierungsorganisationen wird die Suizidprävention vorangetrieben. So soll die Bevölkerung für einen bedachteren und offeneren Umgang mit dem Thema sensibilisiert werden.

Kampagnen wie der Welttag der Suizidprävention rufen seit 2003 jährlich am 10. September das Thema in das Gedächtnis der Bevölkerung und sorgen für Aufklärung und Wissensvermittlung.

Suizidalität erkennen und sicher handeln – mit E-Learning üben

Unsicherheit zum Thema Suizidalität besteht allerdings nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch speziell bei Mitarbeitenden in Gesundheitsberufen (Alsbach, 2017, S. 31). Gerade sie begegnen diesem Thema in ihrer täglichen Arbeit häufiger. Dabei kann ein fehlerhaftes, unsystematisches und angstbesetztes Vorgehen fatale Folgen für das Leben der Betroffenen haben.

In unserem Kurs „Suizidalität erkennen und sicher handeln“ lernen Mitarbeitende im Gesundheitswesen, offen mit dem schwierigen Thema Suizidalität umzugehen und Berührungsängste abzubauen. Die Kursteilnehmenden erfahren, wie sie im Arbeitsalltag angemessen und sensibel mit Suizidalität umgehen und wie sie die Gefahr eines Suizides erkennen und verringern können.

Anders als im realen Berufsalltag können sich die Lernenden bei einem E-Learning-Kurs Zeit zum Überlegen nehmen. So üben sie im jeweils individuellen Tempo – ganz ohne Zeitdruck und mit der Möglichkeit, verschiedene Vorgehensweisen auszuprobieren. Ein Lernprozess, der dank E-Learning in Verbindung mit didaktisch kluger Kursgestaltung möglich ist.

Fallbeispiele mit Praxisbezug für hohen Lernerfolg

Pflegende sind häufig die ersten Ansprechpartner*innen, wenn es um suizidale Gedanken oder Verhaltensweisen geht (Alsbach, 2017, S. 31). Die Erfassung der Suizidalität gehört dabei zum grundlegenden Handwerkszeug psychiatrisch Pflegender. Das Risiko eines Suizids zu erkennen und einzuschätzen, ist eine komplexe und anspruchsvolle Aufgabe und muss immer individuell durchgeführt werden. Der Kurs stellt in mehreren Fallbeispielen den Umgang mit depressiv Erkrankten dar, z. B.:

Kristian fühlt sich in letzter Zeit hoffnungslos und gestresst. Er hat das Gefühl, es niemandem recht machen zu können. Er hat wieder Ärger bei der Arbeit gehabt und sitzt nach dem Feierabend allein zu Hause, fühlt sich einsam und müde. Sein bester Freund ist in eine andere Stadt gezogen und hat seitdem keine Zeit, zu telefonieren.

Das fallbasierte Lernen ermöglicht es den Kursteilnehmenden, sich in die Situation und das Empfinden einer betroffenen Person hineinzuversetzen und verschiedene Szenarien durchzuspielen. Im Fall von Kristian sollen die Kursteilnehmenden geeignete Methoden bestimmen, um herausfinden, ob sich der Betroffene in einer für ihn unerträglichen Erlebens- und  Gefühlswelt befindet. Sie sollen mögliche Alarmzeichen erkennen und  gegebenenfalls mit adäquaten Verhaltensweisen reagieren.

Detailliertes Feedback

Durch detailliertes Feedback erfahren die Lernenden sehr direkt, zu welchen Ergebnissen ihre Entscheidungen führen. Gleichzeitig wird den Lernenden Hintergrundwissen und Verständnis vermittelt, sodass sie aus ihren Fehlern lernen können. Hat sich der Lernende für die richtige Reaktion entschieden, so liefert der Kurs weitere wertvolle Hinweise für den Umgang mit Suizidalität. Hier ein Beispiel:

 

Suizidalität erkennen und sicher handeln - Auszug aus dem E-Learning-Kurs

 

Suizidalität erkennen und sicher handeln - Auszug aus dem E-Learning-Kurs von Relias

 

Der E-Learning-Kurs lebt von interaktiven Elementen, die die Motivation beim Lernen steigern und digitale Inhalte leichter und nachhaltiger verankern. Dies geschieht zum einen durch Multiple-Choice-Tests, bei denen die Teilnehmenden Fragen beantworten müssen. Zum anderen werden Animationen und Visualisierungen dort eingesetzt, wo sie Motivation und Verständnis der Lernenden fördern – auch hierdurch verbessert sich der Lerneffekt.

Suizidalität erkennen und sicher handeln – Lernziele des E-Learning-Kurses

Der Kurs richtet sich an Fach- und Betreuungspersonen in Pflege, Gesundheits- und Sozialwesen. Nach Abschluss des Kurses sollten die Lernenden folgendes können:

  1. Risikofaktoren benennen, die darauf hinweisen, dass bei einer Person ein erhöhtes Risiko eines Suizids besteht
  2. erklären, worauf sie im Gespräch mit einer suizidalen Person achten müssen
  3. erklären, wie man mithilfe von Instrumenten ein Suizidrisiko strukturiert einschätzen kann
  4. sich ihr eigenes Potenzial zur Suizidprävention bewusst machen.

Zusammenarbeit mit einem kompetenten Fachexperten

Bei der Erstellung der Kurse hat uns Robert Zappe unterstützt. Er ist seit 2010 als examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger am Zentrum für seelische Gesundheit des Universitätsklinikums Dresden tätig. Im Dezember 2016 schloss er die Fachweiterbildung „Leitungsaufgaben in Gesundheitseinrichtungen“ erfolgreich ab und gestaltet nun psychiatrische Pflege als Stationsleitung aktiv mit. Im Februar 2018 übernahm er die neugeschaffene Stelle des „Pflegespezialisten für Psychiatrie“ mit dem Tätigkeitsfeld der Steuerung und Gestaltung der pflegefachlichen Entwicklung. Ebenso ist er als Dozent und pflegefachliche Beratung an der Weiterbildungsakademie des Universitätsklinikums Dresden, mit Fokus auf die psychiatrische Pflege, tätig. Seit März 2020 studiert er an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld „Psychische Gesundheit/Psychiatrische Pflege“.  

Unser Angebot zum Welttag der Suizidprävention

Getreu dem Motto “Aktiv werden und Hoffnung schaffen” leisten auch wir einen kleinen Beitrag zum Welttag der Suizidprävention. Deshalb stellen Ihnen unseren E-Learning-Kurs “Suizidalität erkennen und sicher handeln” kostenlos zur Verfügung.

Diesen können Sie einen Monat lang in Ihrem Browser absolvieren – eine Anmeldung, Registrierung oder eine Lernplattform sind nicht notwendig. Hier gelangen Sie zum Kurs: http://preview.relias.com/library/demo/de/rel-de-0-43485/story.html

Suizidalität erkennen und sicher handeln - E-Learning-Kurs von Relias

Leiten Sie diesen Link gern an Ihre Kolleg*innen und Mitarbeiter*innen weiter. 


Auflösung Mythos oder Fakt:

  1. Mythos: Betroffene, die sich das Leben nehmen möchten, sind meist nur für einen begrenzten Zeitraum „selbstmordgefährdet“. Die Suizidalität ist an eine spezifische Situation oder zwischenmenschliche Krise gebunden. In diesem Zeitraum ist der Ausgang offen – es kann der betroffenen Person auch gelingen, sich Hilfe zu suchen und die Krise zu bewältigen. Sie können die Betroffenen schon durch einfache Maßnahmen unterstützen und so einen Suizid verhindern. 
  2.  Mythos: Häufig denken Menschen, man sollte mit Betroffenen nicht über Suizidgedanken reden. Aber das Gegenteil ist der Fall: Suizidalität offen anzusprechen hat einen schützenden Effekt und kann zu einer aktiven Auseinandersetzung mit schwierigen Themen führen und Spannungen lösen. Durch Nachfragen signalisieren Sie die Bereitschaft zum Zuhören, Dasein und dass Sie Anteil nehmen und unterstützen möchten.
  3. Mythos: Über 80 % aller durchgeführten Suizide geschehen nach bereits erfolgten Suizidversuchen. Das trifft insbesondere auf junge Menschen zu!

Literaturverzeichnis

Alsbach, L. (2017). Die Rolle der psychiatrischen Pflege bei Suizidalität. Psychiatrische Pflege, 2  (5), 31–-33. https://doi.org/10.1024/2297-6965/a000114

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. (2020). Aufgaben und Ziele. Zugriff am 19.07.2021. Verfügbar unter: https://www.bzga.de/ueber-uns/aufgaben-und-ziele/

Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention. Information zum Welttag der Suizidprävention am 10. September. Zugriff am 26.08.2021. Verfügbar unter: http://welttag-suizidpraevention.de/

 


Bildnachweis: motortion – stock.adobe.com

Theresa Kraus

studierte Kommunikationswissenschaft und Management an der Universität Erfurt. Nach ihrem Bachelor-Studium sammelte sie praktische Erfahrung im Bereich Online Marketing und unterstützt das Marketing-Team bei Relias seit März 2021.

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